Von gegenseitigem Vertrauen
„Du batest zum ersten Mal darum, dass ich dir vertrauen soll und was hast du mit diesem Vertrauensvorschuss gemacht? Du hast ihn ausgenutzt und mich belogen.“
- Baron Wolfhart von Falkenberg
Grünwalden, 03. Rondra 1013 BF
Begleitet von den ersten Sonnenstrahlen brechen wir auf um den Fremden, der sich so neugierig nach uns erkundigt hat, zu verfolgen. Emmerans Einwand, dass der Fremde uns möglicherweise eine Falle legen könnte, wird von Oberst von Wiedbrück übergangen. Von Feuereifer gepackt, endlich seinem Ziel nahe zu sein, treibt er uns an und ist sichtlich genervt, dass wir aufgrund unserer Wanderer nicht so schnell voran kommen. Vielleicht hat der Oberst zwischenzeitlich vergessen, dass wir dem Fremden in sein Versteck folgen und ihn nicht einholen wollen. Dem Ende seiner langen Suche entgegen fiebernd mag man ihm das verzeihen
Unsere Reise durch die unwirtliche Wildnis der Tobimora wird am Nachmittag dieses Tages durch den Fund drei gerissener Schafe unterbrochen. Nach einer kurzen Untersuchung ist Mirya der Meinung, dass Wölfe die Jäger waren. Von der restlichen Herde und dem Hirten fehlt jede Spur. Unser weiterer Weg führt uns auf eine kleine Anhöhe und so können wir die Gelegenheit nutzen um nach der restlichen Herde zu schauen. Wir entdecken diese weit versprengt auf der anderen Seite der Anhöhe. Der seicht abfallende Hang erstreckt sich in eine saftige Wiesenlandschaft, auf der wir die versprengten Schafe erkennen können. Unter einer alten Trauerweide, dem einzigen Baum auf der Wiese, finden wir einen jungen Mann, der gerade einen verletzten Hirtenhund versorgt. Ein weiterer Hirtenhund liegt einige Schritt weiter in seiner Blutlache. Die Federn eines Armbrustpfeils ragen aus dem Kopf des toten Tieres.
Der junge Mann erzählt, dass er die Herde hier so vorgefunden hat, es aber von Tsafried, dem Hirten keine Spur gibt. Einzig eine große Blutlache findet sich in der Nähe. Ich bin skeptisch, was dieser junge Mann hier soweit ab vom nächsten Dorf macht. Als ich ihn darauf anspreche, antwortet er nur zögerlich und präsentiert mir Antworten, die ganz offensichtlich gelogen sind. Er behauptet, er käme aus einem Dorf in der Nähe und hätte den Schäfer besucht. Da das nächste Dorf in die Richtung die er angibt, aber mindestens eineinhalb Tagesreisen entfernt liegt, kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Geschichte wahr ist. Ich bohre nach und er gibt zu, dass er bei seinem Lehrmeister in der Nähe lebt. Gerade als ich herausfinden will, was er denn hier lernt, werde ich von Wolfhart unterbrochen, der mich bittet ein paar Worte unter vier Augen mit dem Jungen wechseln zu dürfen.
Was Cordovan nicht mitbekam: Erst versucht der Junge es mit weiteren Ausflüchten und erzählt das er die Weidmannskunst erlernt, doch auch bei dieser Lüge stellt er sich dermaßen ungeschickt an, dass Wolfhart ihm nicht glaubt. So bleibt Wolfhart nichts anderes übrig als sich auf seine, ihm innewohnende, Kraft zu besinnen und bezaubert den Jungen. Dieser erzählt ihm nun, dass sein Lehrmeister etwa zwei Stunden von hier im Wald wohnt. Wolfhart vermutet zu Recht, dass es sich bei dem Lehrmeister um einen der vielen in den Wäldern von Tobrien lebenden Naturmagiern handeln muss. Gerüchten zur Folge sollen diese Naturmagier sich in der Sternenkunde verstehen und Wolfhart fackelt nicht lange und fragt den Jungen danach. Dieser berichtet, dass sein Lehrmeister ihm von einer besonderen, bevorstehenden Ausrichtung der Sterne erzählt hat. Wolfharts Neugier gebietet es ihm ein, Treffen mit dem Lehrmeister des Jungen zu verlangen.
Da Emmeran die vermeintliche Bedrängnis des Jungen erkennt, schaltet er sich auch noch ein. Auch ihm ist klar, dass er einen Bruder im Geiste vor sich hat und versucht dem Jungen zu helfen. Wolfhart hat sich in der Zwischenzeit mit Oberst von Wiedbrück abgestimmt, dass er, Emmeran und Mirya den Lehrmeister des Jungen besuchen und den Rest der Gruppe dann gegen Abend wieder einholen werden. Währenddessen hat Emmeran mit dem Jungen einen Treffpunkt ausgemacht. Die beiden haben sich darauf geeinigt sich am nächsten Morgen in einer kleinen Schlucht im Norden zu treffen. Er verspricht dem Jungen, dass er alleine kommen wird.
Als Wolfhart von dem Gespräch mit Oberst von Wiedbrück zurückkommt, fange ich ihn ab um kurz mit ihm unter vier Augen zu sprechen. Ich frage ihm, was er herausgefunden hat und er erzählt mir, dass der Junge die Weidmannskunst erlernt. Ich kann das irgendwie nicht glauben und nehme mir den Jungen noch einmal vor. Wieder kann der Junge die Lüge nicht aufrechterhalten und so langsam wird mir das ganze zu bunt. Irgendetwas ist faul und wir wissen immer noch nicht wo der Hirte ist. Ich beschließe den Jungen zu seinem Lehrmeister zu begleiten um herauszufinden, was hier los ist. Womöglich ist er doch nicht so unschuldig, wie er sich gibt. Durch mein Nachfassen und der Ankündigung, ihn zu seinem Meister zu begleiten, wird der Junge sichtlich nervöser und Wolfhart schreitet ein und bittet mich den Jungen in Ruhe zu lassen. Er nimmt mich zur Seite und erzählt mir, dass der Junge der Lehrling eines Druiden sei und das er nun zusammen mit Emmeran und Mirya zu dessen Lehrmeister reiten wird, während ich, Rashid und Wiedbrück weiter reiten sollen.
Diese Offenbarung Wolfharts macht mich wütend und auch im Nachhinein betrachtet kann ich es drehen und wenden wie ich will, Wolfhart hat mir offen ins Gesicht gelogen. Nun schon zum zweiten Mal muss ich ihn mit seinen Lügen konfrontieren. Warum er mich wiederholt belügt, kann ich nicht verstehen. Haben wir nicht auf den Silkwiesen gemeinsam gegen den Aikar Brazoragh Ashim Riak Assai gekämpft und gesiegt. Ist es nicht genug, dass ich ihm in der Stunde seiner Not im Kampf gegen den Hexenfluch beigestanden habe. Tag ein Tag aus habe ich abends an seinem Schlaflager gekniet und mit ihm um einen ruhigen Schlaf gebetet. Anscheinend war das nicht ausreichend, um mir sein Vertrauen zu verdienen oder, was mir nach einer so langen gemeinsamen Zeit fast wahrscheinlicher erscheint, er hat sich mit den Zwölfen verworfen und kann ob meiner Weihe, mir nicht das Vertrauen schenken, welches er beispielsweise Emmeran entgegen bringt. Die Geschichte in Neersand hatte mich schon vorsichtig werden lassen. Nun kommen noch diese Lügen dazu. Ich kann und werde Wolfhart einfach nicht mehr vertrauen.
Ich meiner Wut werfe ich ihm entgegen, dass ich aus freiwilligen Stücken hier bin und er keinerlei Befehlsgewalt über mich hat. Er windet sich in Ausflüchten und behauptet, dass er mir keine Befehle erteilen wollte und das er den Jungen nur schützen wollte, da er sich nicht sicher sein könne, ob ich Oberst von Wiedbrück nicht erzählt hätte, was es mit dem Jungen auf sich hat. Soviel Vertrauen haben die Jahre unserer gemeinsamen Reise also aufgebaut. Ich bin tief enttäuscht und da ich nun weiß, dass der Junge nur seinen Meister schützen wollte und nichts mit dem verschwundenen Hirten zu tun hat, entschließe ich mich dazu mit Rashid und Wiedbrück nach Norden weiter zu reisen. Als ich zu meinem Pferd zurückkomme, erzählt mir Rashid, dass die Strecke voraus sich exzellent für einen Überfall eignen würde, da dort der Weg entlang einer Talsohle im Wald verläuft. Ich bin zu sehr mit meinen eigenen Gedanken beschäftigt, als dass ich mir darüber jetzt Sorgen machen kann.
Als Wolfhart zu Emmeran und dem Jungen zurückkehrt, macht sich der Junge schon daran, die Wiese zu verlassen. Wolfharts Bemühungen, den Jungen zurückzuhalten, werden von Emmeran abgewiegelt und die beiden diskutieren, ob sie dem Jungen nun folgen sollen, oder sich darauf verlassen sollen, dass der Junge und sein Lehrmeister das Treffen einhalten werden. Von der Tatsache, dass Emmeran versprochen hat, alleine zu kommen, erfährt Wolfhart zu diesem Zeitpunkt nichts. Stattdessen bittet Emmeran, dass Wolfhart ihm vertrauen möge.
Die beiden kehren zurück und entgegen der vorherigen Absprache reisen wir alle gemeinsam weiter der Spur des Fremden hinterher.
In der Wildnis Tobriens, 04. Rondra 1013 BF
Am Morgen kommen wir an einer kleinen Schlucht vorbei.
Das ist der Treffpunkt, den Emmeran mit dem Jungen ausgemacht hat. Als Wolfhart und er stoppen und vermeintlich Austreten wollen, eröffnet Emmeran ihm, dass er den Lehrmeister alleine treffen wird, da das so ausgemacht sei. Wolfhart insistiert allerdings, dass er mitkommen will und hätte das wahrscheinlich auch durchgesetzt doch Emmeran nutzt einen unbedachten Moment Wolfharts dazu, sich in die Büsche zu schleichen und zu verschwinden.
Er trifft wenig später auf Giselhold, den Lehrmeister des Jungen. Dieser ist ein wenig erbost darüber, dass der Junge sich verplappert hat, aber Emmerans Geständnis, dass er dem Zirkel der verschwiegenen Brüder angehört, stimmt ihn versöhnlich und macht ihn gesprächiger. Er berichtet, dass die Elemente in etwa seit einem Jahr in Aufruhr sind und das die Sterne ein bevorstehendes, großes Ereignis ankündigen. Diese Aussage deckt sich mit unseren bisherigen Erkenntnissen. Giselhold ist sich sicher, dass das bevorstehende Ereignis am 9. Rondra stattfinden wird. Auf die Erzählung Emmerans hin, dass wir einen Flüchtigen verfolgen und denken, dass er sich hier in der Nähe versteckt, kann Giselhold von einer alten Kupfermine berichten, welche etwa drei Tage nördlich von dieser Schlucht liegt. Er warnt Emmeran allerdings, dass die Stollen sehr verzweigt sind und dass sich schon so mancher darin verirrt hat. Zum Abschied überreicht er Emmeran noch eine Phiole mit einem Heilsud und entschuldigt sich, dass er nicht mehr helfen konnte. Er wird Emmerans Namen gegenüber dem Oberhaupt der tobrischen Druidengemeinschaft, Fyrnenbart dem Alten, erwähnen.
Emmerans Verschwinden erzeugt bei meinen Reisebegleitern keine Unruhe und auch von Wiedbrück fragt nicht weiter nach, was dieser plötzliche Aufbruch zu bedeuten habe. Wir setzen unseren Weg ohne Emmeran fort. Gegen Mittag holt dieser uns völlig außer Atem ein. Auch wenn es so aussieht, aber dass ein normaler Mann die komplette Strecke gelaufen ist, kann ich nicht glauben. Eine andere Erklärung liefert Emmeran allerdings nicht. Er erzählt uns von der Sternenkonstellation und von den Minen im Norden.
Am Abend des Tages entschuldigt sich Emmeran bei Wolfhart für das plötzliche Verschwinden. Dieser wirft ihm allerdings vor, dass er schon wieder nach der „Zweck heiligt die Mittel“ Methode gehandelt habe und nun glaubt, dass alles wieder gut wäre. Wolfhart beschwert sich, dass Emmeran einen Vertrauensvorschuss erbeten und diesen nun hinterhältig ausgenutzt habe. Weiterhin echauffiert er sich darüber, dass Emmeran ihn belogen habe und dass man so etwas unter Freunden nicht machen sollte. Emmeran gibt gegenüber Wolfhart zu, dass er ein Geheimnis mit dem Druiden teilt, was es überhaupt erst möglich gemacht hat, dass er mit ihm sprechen durfte. Wären die beiden zu zweit dort aufgetaucht, wäre der Druide womöglich verschwunden.
In der Wildnis Tobriens, 07. Rondra 1013 BF
Das Hügelland, welches wir nun schon seit Tagen durchreisen, öffnet sich östlich von uns in eine kleine Klamm. Wir entschließen uns, diesem Weg zu folgen, und kommen durch die Klamm in ein kleines Tal. Herabrieselndes Wasser hat sich an der Nordseite des Tals zu einem kleinen See geformt. Gegenüber dieses Sees ist in die Felswand ein Tor eingelassen, welches das Wappen eines alten tobrischen Adelsgeschlechts trägt. Eine nähere Untersuchung des Tors ergibt, dass dieses vor kurzem geöffnet wurde. Von Wiedbrück drängt uns zur Eile und nachdem wir einige Fackeln entzündet haben, öffnen wir das Tor und betreten die alte Mine.
Die direkt hinter dem Eingang liegenden Ställe und Vorratsräume verraten uns, dass wir es nicht nur mit einem Gegner zu tun haben werden. Ein altes Schienensystem, welches tiefer in die Mine führt, dient uns als Anhaltspunkt und wir gehen tiefer hinein, den Schienen folgend. Nach diversen Abzweigungen und Gängen kommen wir in eine etwas größere Höhle. Rashid, der vorausgegangen ist, warnt uns, dass er aus einem der von der Höhle abgehenden Gänge etwas gehört hat. Auch wir hören daraufhin ein Schlurfen von mehreren Gestalten aus einem der Gänge. Wir warten ab und als die Gestalten ins Licht treten, erkennen wir die Gräuel, die hier vor sich gehen. Wieder einmal hat sich jemand der Widersacherin angebiedert und ist dafür mit Macht belohnt worden, die keinem Sterblichen innewohnen sollte.
Aus den Schatten treten uns einige vivit scelestus und vivit mortuum entgegen. Während meine Begleiter noch zögern treten von Wiedbrück und ich den Wiedergängern entgegen. Gemeinsam mit unseren Mitreisenden schaffen wir es, dem Grauen ein Ende zu bereiten. Als der letzte vivit mortuum fällt, ein besonders großes Exemplar, löst sich dieser in eine schmierige Masse auf und dem blutigen Brei entsteigt ein schreiender schwarzer Schatten, der sich kurz daraufhin auflöst. Eine solche Reaktion habe ich noch bei keinem Erschlagenen mortuum erlebt. Ich werde meine Brüder in Punin bei Gelegenheit dazu fragen müssen.
dpa says:
Ich habe da nicht nur Cordovans Begleiter zögern sehen… ein Gebet – ich kann so ein tolles? mein Hammer? Weihrauch? Ah, irgendwie teuer? oder Graberde? Na gut, kämpfe ich mit.
ct says:
Die Geschichte schreibt immer der Sieger…
opa says:
…und es war sicherlich schwierig zu schreiben mit all den Ereignissen, die sich nebenbei abgespielt haben. Eine gelungene Lösung!