Das Ende naht

“Das Ende naht – und es ist nicht Golgari, der uns danach holen wird!”
- Cordovan

Trallop, 06. Tsa 1015 BF

Während wir auf den Besuch Rondrajas und ihrer elfischen Freundin warten, klopft es an der Tür unseres gemeinsamen Zimmers auf der Burg. Mutz richtet uns im Namen seines Meisters Bruder Josold aus, dass Gernward wieder aufgewacht ist. Ich begleite ihn sogleich zum Tempel und finde den Boronpriester am Bett des Kranken, der diesmal auch ohne weiteres ansprechbar ist. Als ich Gernward nach seinen Träumen frage, stelle ich fest, dass er dasselbe durchlebt haben muss wie wir. Zu meiner Überraschung berichtet er allerdings, dass er in der vergangenen Nacht erstmals wieder Träume hatte, deren Inhalt sich aus seinen eigenen Erfahrungen speiste, und nicht diese gefährlichen Botschaften und Gedanken, an denen wir inzwischen auch teilhaben müssen. Ich verbringe den Rest des Vormittags an Gernwards Seite während, wie ich später erfahre, auf der Burg das angekündigte Treffen mit der Elfe Biundrala Funkenquelle stattfindet.

Die Auelfe hört sich den von Wolfhart vorgetragenen Wunsch, Kontakt zur Akademie in Donnerbach herzustellen, höflich an, und bietet dann an, ein Mitglied ihrer Sippe in der Stadt auf nicht näher bezeichnetem Wege unsere Botschaft zu übermitteln, weist jedoch auch darauf hin, dass sie selbst nicht an der Akademie studiert. Sie erzählt, dass sie hier ist, um den See zu besuchen, in dem sie Feenwesen vermutet. Als sie noch erwähnt, dass sie „hinter den See gehen“ möchte, fordert sie Wolfharts Neugier heraus, der sie umgehend bedrängt, ihn doch einmal mitzunehmen, was Rondraja sichtlich amüsiert. Wolfhart fasst sich schnell und lenkt das Gespräch auf unser ursprüngliches Anliegen zurück. Biundrala erklärt sich bereit, unsere Fragen nach der Natur des unbekannten Zaubers (insbesondere der temporalen Repräsentation) und dessen mögliche Auswirkungen und Einfluss auf andere Menschen zur Akademie überbringen zu lassen. Danach verabschieden sich die beiden Frauen, und Cordovan und Wolfhart machen sich ebenfalls auf den Weg zum Tempel.

Noch im Burghof hört Cordovan ein Gespräch zweier Wachleute mit, die von einem weiteren Mord berichten: Einer Wache sei in der Sattlergasse die Kehle durchgeschnitten worden, als er einen Einbruch untersuchen wollte. Cordovan untersucht daraufhin den aufgebahrten Leichnam, kann aber nichts Ungewöhnliches feststellen.

Als wir im Borontempel wieder zusammentreffen und die Informationen austauschen, beschließen wir sofort, Faber aufzusuchen, und tatsächlich zeigt die Tür seines Hauses Spuren eines gewaltsamen Eindringens. Wir treffen Faber in seiner Werkstatt an, wo er uns von einem Einbruch in der letzten Nacht berichtet. Faber hatte sich versteckt, da er ein ungutes Gefühl hatte. Seiner Beschreibung nach roch der Eindringling seltsam „nach Sumpf und Schweiß“, und war aller Wahrscheinlichkeit nach kein Mensch. Der Unbekannte durchsuchte das Schlafzimmer und die Küche im ersten Stock, doch als Faber schon um sein Leben fürchtete, wurde der Fremde von einem Wachmann überrascht und Faber hörte Kampfgeräusche. Als er sich aus seinem Versteck hervortraute, sah er nur noch eine davonlaufende Gestalt, glaubte jedoch, die Hauer eines Orks zu erkennen.

Faber fürchtet, der Eindringling könnte zurückkehren, da er nicht gefunden hat, wonach er suchte. Wir bieten an, die Nacht in seinem Haus zu verbringen, um dem Schurken aufzulauern, sollte er sich noch einmal zeigen. Vorher kehren wir noch einmal zur Burg zurück, wo sich Fabers Geschichte durch die Beobachtung eines weiteren Wachmannes bestätigt.

Wir nutzen den restlichen Tag, um etwas Erholung zu finden, bevor wir uns für die Nacht aufteilen: Cordovan bleibt im Tempel des Todes an der Seite Gernwards, während Wolfhart und ich Posten über Fabers Werkstatt beziehen. Ärgerlicherweise bin ich durch die vergangenen Tage so stark geschwächt, dass ich während der Wache einnicke. Die Strafe ist nicht etwa die Klinge eines mordenden Orks, sondern ein neuer Traum, der zeitgleich von Wolfhart und mir Besitz ergreift. Darin falle ich ohne jede Orientierung in endlose Tiefe, ein fallender Alverianer, der aus der Vergangenheit kommt und ins Jetzt fällt. Andere fallen mit mir. Sie fallen, weil ich falle. Dann unermessliche Schmerzen, als beim Aufprall jedes kleinste Glied und Körperteil zerschmettert wird, ein endloses Sterben, aus dem wir unter grässlichen Schmerzen irgendwann erwachen.

Trallop, 07. Tsa 1015 BF

Cordovan, der traumlos geschlafen hat, sucht uns am Morgen in der Sattlergasse auf und erfährt von unserem Unglück. Er weiß zu berichten, dass Gernward wieder eigene Träume hat, später erfahren wir, dass er den Traum vom Fallen nicht kennt. Sein Fluch scheint vollständig auf uns übergegangen zu sein, und wenn keine Hilfe kommt, dann werden wir daran sterben, denn jeder Traum ist schlimmer als der vorherige, und nicht nur der Schlafmangel und die Erschöpfung schwächen uns, sondern die Träume, die vom Untergang der Götter kündigen, zerstören unsere Körper und unseren Geist. Cordovan, der bisher aus der Sicht der Vernichter träumte, hat sich unter dem Einfluss des Traumes beinahe selbst zerfleischt, Wolfhart und ich träumen aus der Sicht der Opfer, die fliehen oder fallen, und die Erlebnisse des Traumes bleiben wie Wunden in unseren wachen Körpern zurück.

Cordovan und Wolfhart analysieren das Bild des fallenden Alverianers und sind eifrig damit beschäftigt, sich durch ihre Fähigkeiten selbst und gegenseitig zu heilen – ein Angebot, das sie mir nicht machen, obschon mir immer noch jede Bewegung schmerzt. Ich verlasse den Tempel und bitte Rondraja um Hilfe, denn sonst werde ich eine weitere Nacht nicht überstehen. Diese versetzt mich in einen magischen Heilschlaf, aus dem ich einige Stunden später traumlos und etwas erholt erwache.

In der Zwischenzeit hat uns auch eine Antwort aus Donnerbach erreicht, die zwar freundlich ausfällt, aber in unserer Situation kaum weiter hilft: Man bedaure, keine Diagnose aus der Ferne vornehmen zu können, lädt uns aber herzlich ins Seminar der Heilung und elfischen Verständigung ein, um unseren Fall dort noch einmal vorzutragen.

Im Tempel hat sich Cordovan, der einen Teil der Nacht über Gernward gewacht hat, in der Zwischenzeit auch zur Ruhe begeben, und als Wolfhart nach ihm sieht, findet er ihn schweißnass und keuchend vor, offensichtlich in den Fängen eines weiteren Traumes. Als er ihn wecken will, sackt Cordovan leblos in sich zusammen, seine Atmung setzt aus, und kein Lebenszeichen ist mehr erkennbar.

Als er schließlich doch erwacht berichtet er von einem bizarren Traum, in dem er in einer Wüstenlandschaft gegen sich selbst oder ein Spiegelbild seiner selbst gekämpft hat. Dabei hat er nicht nur Waffengewalt angewendet, sondern auch magische Kräfte benutzt, um den Gegner zu vernichten. Als er die Chance sah, den Kampf durch einen tödlichen Stich ins Herz des Gegners zu beenden, musste er erkennen, dass er diese Wunde auch sich selbst zugefügt hatte. Das letzte, was er im Sterben sah, waren Sturmwolken, die sich über der Wüste sammelten.

Cordovan ist nach dieser schrecklichen Erfahrung völlig verzweifelt und befürchtet das nahe Ende. Nicht einmal beim anschließenden Gebet findet er Trost bei seinem Gott. Wenn wir ein Zeichen brauchten, dass es schlecht um uns steht, dann ist es wohl dieses. Satuaria steh uns bei.