Ein Augenblick der Freude

Altnorden, 11ter Boron 1016 BF

Am Abend des 11ten Boron treffen wir in der Schankstube des Gasthauses erneut auf Sapallyo, der sich gerade von dem Freund des verschwundenen Musikers verabschiedet. Im anschließenden Gespräch erzählt Sapallyo uns, dass der Musiker, Adelbert mit Namen, wieder aufgetaucht sei. Adelbert sei spät in der Nacht in eine Decke gehüllt zurück ins Gasthaus Maidenwacht gekehrt und habe sich sofort auf sein Zimmer zurück gezogen. Firian, das ist der Freund von Adelbert und der Bekannte von Sapallyo, wollte, so ließ er Sapallyo wissen, nach einer kurzen Rast zu seinem Freund in die Maidenwacht aufbrechen. Da viele Anzeichen auf die Baroness als Ursprung des Übels deuten, beschließen wir, Adelbert noch vor Firian aufzusuchen, um zu prüfen, ob sich der Schatten der Verdammnis bereits über ihn gelegt hat. Da man Sapallyo die Neugier ansehen kann, biete ich ihm an mitzukommen, was er dankend annimmt.

Im Gasthaus Maidenwacht angekommen, einer eher billigen und schäbigen Absteige, fragen wir die Wirtin, wo ihr Gast abgestiegen sei. Sie weist uns den Weg durch einen kleinen Korridor im Erdgeschoss, von dem einige Türen in die Zimmer abgehen und erklärt uns, dass Adelbert das Zimmer am Ende bezogen habe. Dort angekommen klopfe ich an die Tür und bitte Adelbert, dass er aufmachen solle, was dieser allerdings vehement ablehnt. Er bittet uns, zu verschwinden und ihn in Ruhe zu lassen. Auf unseren Nachdruck hin fragt er, was wir wollen, denn er habe doch nichts Unrechtes getan. Nachdem auch die Versuche Emmerans, den Künstler bei seiner Ehre zu packen und ihn zu provozieren, fehlschlagen, kehrt Wolfhart zur Wirtin zurück und besorgt den Schlüssel. Diese ist sichtlich besorgt und bittet uns, in ihrem Gasthaus keinen Ärger zu machen. Glücklicherweise kann man die Tür zum Korridoreingang schließen, so dass unsere Handlungen vor den neugierigen Augen der Wirtin und der Gäste verborgen bleiben.

Mit dem Schlüssel öffne ich die Tür und trete ein. Ein faulig, beißender Geruch schlägt mir entgegen und Adelbert, immer noch in die Decke gehüllt, steht am Ende des Raumes und schaut uns ängstlich an. Er scheint verletzt, wie er dort so schief, leicht an die Wand gelehnt steht. Die Haare kleben ihm schweißnass am Kopf und er hat starke Ringe unter den Augen.

Allein der Anblick liefert schon Verdacht genug, aber Wolfharts Odem Arcanum liefert die traurige Gewissheit. Der arme Adelbert ist vom Fluch der Vampire heimgesucht worden und hat den Pfad der Verdammnis betreten. Ich hoffe, dass es für seine Seele noch nicht zu spät ist. Wir verlassen das Zimmer und beraten vor seiner Tür was zu tun ist. Aufgrund des gauklerischen Hintergrundes vermuten wir, dass sich Rahja als seine Nemesis offenbaren wird und ich schlage vor, doch seinen Freund Firian herbei zu holen und ihn zu bitten für seinen Freund aufzuspielen. Sapallyo eilt los, um den Musiker zu holen. Unterdessen besorgt Wolfhart von der Wirtin einige Schläuche Wein und verteilt diese an uns. Ich bitte Emmeran vor dem Fenster Wache zu beziehen, um Adelbert daran zu hindern, das Zimmer zu verlassen. Kurz darauf erscheint Sapallyo mit Firian, dem wir erzählen, dass sein Freund schwer erkrankt sei und er doch bitte zur Linderung ein Lied spielen solle. Firian ist dazu bereit und als die Töne der Laute und der Gesang Firians den Korridor erfüllt, hören wir im Zimmer ein Poltern und kurz darauf die Rufe und das Bitten Adelberts, doch mit der Musik aufzuhören, da er seine Ruhe braucht. Wir bitten Firian weiterzuspielen und betreten das Zimmer. Adelbert, offensichtlich war unsere Annahme des Fluchs korrekt, hat sich unter dem Bett verkrochen und wimmert. Während ich mich dem Bett nähere, bitte ich Marbo, die Tochter meines Herrn, dieser unschuldigen Seele gnädig zu sein und ihn sicher in Borons Reich zu tragen. Noch während des Gebets entkorke ich den Schlauch und übergieße Adelbert mit Wein, dem Symbol Rahjas. In Qualen windend vergeht der verfluchte Leib Adelberts.

Wir erzählen Firian, nachdem wir das Zimmer wieder verlassen haben, dass es Adelbert sehr schlecht geht und er an einer ansteckenden Krankheit leidet. Er wäre aber nun ruhig und man müsse sehen was die Nacht bringt. Ich biete an vor dem Zimmer Wache zu halten und die anderen, Firian eingeschlossen, verlassen das Gasthaus. Die Wirtin ist sichtlicht besorgt, weiß aber auch nicht, was sie mit der Situation anfangen soll, und versucht vorerst stillschweigen gegenüber den anderen Gästen zu wahren. Eine ansteckende Krankheit macht sich in keinem Gasthaus gut.

Am Abend, nachdem Ruhe eingekehrt ist, nehme ich die Überreste Adelberts und begebe mich damit zum Boronanger. Die Deuterin Golgaris, Alwine Menzheimer, ist, nachdem ich ihr die Geschehnisse erläutert habe, dazu bereit dieser Notlüge zu folgen und mit mir die Überreste zu bestatten. Wir einigen uns darauf gegenüber den Freunden von Adelbert die Geschichte der schweren Krankheit aufrecht zu erhalten.

Altnorden und Menzheim, 12ter Boron 1016 BF

Am nächsten Morgen berichten wir Firian vom Ableben seines Freundes und begleiten ihn zum Grab. Mit tiefer Trauer über den Verlust, lasse ich Firian in der Obhut Alwines und wir machen uns auf den Weg gen Menzheim. Sapallyo, immer noch entschlossen, mehr über die Vampire zu erfahren, begleitet uns.

Nach einer ereignislosen Reise erreichen wir gegen frühen Abend die Stadt Menzheim. Auf dem Weg in die Stadt ist uns schon das Rittergut aufgefallen, welches wohl dem Baron gehört. Da wir allerdings, bevor wir uns mit dem Baron befassen, noch einiges diesbezüglich zu klären haben, beziehen wir zuerst, auf Wolfharts und Emmerans Wunsch, das beste Haus am Platz.

Bei unserer anschließenden Lagebesprechung erzählt uns Sapallyo wie er vor einigen Wochen über die Vampire nahezu gestolpert ist. Er ist im Norden Weidens auf eine Leiche der Draconiter gestoßen. Die Draconiter sind ein Hesinde Orden zum Schutz der Kirche vor äußerlichen Bedrohungen. Sapallyo war äußerst überrascht einen Geweihten der Draconiter soweit im Norden Weidens zu finden und noch dazu tot. Eine Untersuchung des Geweihten förderte ein Buch, das Buch der Schlange, und einen Stab zu Tage. Im Buch der Schlange, dem Reisetagebuch der Geweihten, konnte Sapallyo lesen, dass dieser einen Vampir aufgespürt und gestellt habe. Dieser Begegnung war der Draconiter wohl nicht gewachsen. Weiterhin stand in dem Buch, welche Funktion der Stab hat. Es handelt sich dabei um ein magisches Artefakt, mit dem man erkennen kann, ob das Gegenüber ein Vampir ist.

Wir bitten Sapallyo die Dinge zu holen, damit wir sie begutachten können, was dieser auch sogleich erledigt. Der Stab ist ein aus Blutulme gefertigter, ca. 2 Spann langer Stab mit einem Griff in Salamanderform. An der Spitze sind drei Steine eingelassen. Ein Bernstein mit dem Greifen Praios, ein Blutachat mit dem Raben Borons und ein Saphir mit Schlange und Mondsichel. Den drei Steinen werden besondere Fähigkeiten nachgesagt, so soll der Bernstein ein Stein der Wahrheit sein, der Blutachat ein Schutz vor dämonischer Besessenheit bieten und der Saphir vor unheiligen Wesen schützen.

Wir studieren das Buch der Schlange und entdecken noch diverse Notizen aus unterschiedlichen Quellen, die alle mehr oder weniger etwas mit Vampirismus zu tun haben. Einige davon waren uns auch schon bekannt, so wie der Eintrag aus dem schwarzen Buch oder die Geschichte der Acheburg.

Nachdem wir zu dem Schluss gekommen sind, dass uns weder der Stab noch das Buch bei unserer bevorstehenden Aufgabe nützlich sein werden, diskutieren wir, wie wir vorgehen wollen. Ziemlich schnell wird uns klar, dass wir bei der offensichtlichen Nemesis des Barons und seiner Tochter, unserer Herrin Rondra, um einen Kampf nicht herumkommen, bleibt eigentlich nur noch die Frage wie wir diesen in eine für uns günstige Bahn lenken können. Während wir noch diskutieren klopft es an der Tür und ein Bote des Barons lässt ausrichten, dass der Baron sich freuen würde, uns heute Abend zu Tisch zu bitten. Wir sagen zu und nachdem der Bote gegangen ist, nimmt unser Plan ein wenig Form an. Wir denken, dass es die beste Strategie ist, dass Emmeran die Baroness ablenkt und versucht diese aus dem Zimmer zu locken. Wenn das Geschehen ist, fordere ich den Baron zu einem Duell. Auch wenn der Plan einige Lücken hat, scheinen meine Gefährten zuversichtlich und wir machen uns auf den Weg zum Rittergut.

Das Innere des Herrenhauses, welches man für Weidener Verhältnisse als recht ansehnlich bezeichnen muss, strotz vor Gemälden mit Schlachtszenen und martialischem Wandschmuck. Hier sieht man auf den ersten Blick, dass die Bewohner dem Kampfe zugetan sind.

Man bittet uns in den Salon, wo der Baron von Menzheim, ein kleiner, bulliger Mann mit Stirnglatze und grau melliertem Bart uns schon erwartet. Einen Augenblick später betritt seine Tochter Ullgrein den Raum. Ullgrein ist eine weidener Schönheit. Ein charmantes Gesicht, braunes lockiges Haar, welches auf einem üppigen Busen zu liegen kommt, sowie ein kräftiger, athletischer Körperbau lassen die Tochter des Barons vielleicht nicht bei den Pfauen des Südens gut ankommen, doch im Norden des Reiches wird ihr wohl niemand dir Pforte vor der Nase zuschlagen.

Der Abend, welcher unter normalen Umständen sicherlich äußerst amüsant hätte werden können, quält sich so, für uns, langsam dahin. Es beginnt ein Taktieren, möglichst viele Getränke auszulassen, ohne unhöflich zu wirken und möglichst das Gespräch am Laufen zu halten ohne viel zu sagen. Einzig Sapallyo genießt die dargebotenen Getränke in vollem Zuge. Er scheint Abende in Gesellschaft des Feindes zu kennen und seinen eigenen Spaß daran zu finden.

Im Laufe des Abends gelingt es Wolfhart unbemerkt, die beiden mit einem Odem zu untersuchen und mir zu bestätigen, dass es sich bei beiden um Vampire handelt. Wobei Ullgrein die deutlich stärkere Aura hat. Ich bete inständig, dass Emmeran es gelingen wird, die Baroness hinzuhalten oder zu fliehen wenn es brenzlig wird. Endlich ist es soweit, die Baroness und Emmeran verabschieden sich. Auch wenn es nicht offen ausgesprochen wird, so ist es doch allen klar, dass die beiden zusammen in den Badezuber steigen wollen.

Augenblicke nachdem die beiden gegangen sind, stehe ich auf und werfe dem Verderbten meine Forderung ins Gesicht. Dieser ist zwar ob der Wendung überrascht, aber Kempe genug, diese Forderung nicht ausschlagen zu können. Ich gebe ihm Zeit, sich zu rüsten, und erwarte ihn im spärlich beleuchteten Innenhof des Gutshauses. Mir war klar, dass wir den Kampf zumindest an einem von ihm bestimmten Ort austragen würden und das dieser sicherlich nicht zu meinen Gunsten gewählt würde, aber es hätte schlimmer kommen können. Die Bediensteten, die offensichtlich nichts von dem Wesen ihres Herrn wissen, bringen noch einige Fackeln mehr als es dem Baron sicherlich recht gewesen ist.

Als der Baron in den Hof tritt füllt sich mein Herz für einen Augenblick mit Freude. Gehüllt in eine Plattenrüstung und mit einem Zweihandschwert bewaffnet tritt er mir gegenüber und ich komme nicht umhin zu denken, vielleicht auch ein wenig zu hoffen, heute Abend meinem Herrn gegenüber zu treten. Schnell verfliegt dieser Gedanke allerdings wieder, als mir klar wird, dass mein Tod auch das Ende meiner Gefährten bedeuten wird. Auch wenn ich dem Augenblick mit Freude entgegen sehe, weiß ich doch, dass die anderen das anders sehen. Die abklingende Freude wird ersetzt durch eiserne Entschlossenheit als die Wucht des ersten Schlages am Griff meines Rabenschnabels abgleitet. Boron hat mich nicht erwählt um zu sterben, sondern um sein Werkzeug auf Dere zu sein und Widernatürlichkeiten wie diesen Vampir ein Ende zu machen. Im folgenden Schlagabtausch wird schnell klar, dass dieser Gegner mir überlegen ist. Seiner Panzerung vermag ich kaum einen Kratzer zuzufügen und die harten Schäge seines Schwertes setzen mir gewaltig zu. Dennoch werden die Bewegungen des Barons mit jedem meiner Treffer fahriger und sein Gesicht ist gezeichnet vom Schmerz. Wir hatten also Recht mit der Annahme, dass Rondra diesen Vampir verflucht hat und das jeder aus einem rondragefälligen Zweikampf geführte Schlag dem Vampir zusetzt. Letztlich ist es dieser Fluch der mich, wenn auch nur leidlich, am Leben erhält und den Vampir vernichtet. Als ich mit der letzten mir verbliebenen Kraft den Baron erneut treffe, fällt dieser zu Boden und während ich auf die Knie falle, erkenne ich dass der Zerfall an den von mir getroffenen Stellen schon begonnen hat. Der Baron zerfällt langsam aber sicher zu Staub.